Samstags-Inspiration: Oh, Sophia – die vegane Küchenkünstlerin

15 Mai 2015 |

Kategorien:Interviews

Samstags stelle ich immer Persönlichkeiten vor, die mich inspirieren. Heute ist das Sophia Hoffmann. Sie ist vegane Köchin, veranstaltet kunterbunte Dinner und hat ein tolles Kochbuch veröffentlicht. Sophia vertritt die wunderbare Meinung, dass Essen Spaß machen muss und gern auch damit gespielt werden darf. Das äußert sich in ihren kunterbunten Kreationen, unkonventionellen Dinner Themen (Desert vs. Detox) und setzt der ganzen Diskussion um fade vegane Küche mit viel Augenzwinkern enorm etwas entgegen.
Ich lebe zwar nicht komplett vegan, habe aber aus ethischen, gesundheitlichen und ökologischen Gründen ein großes Faible dafür. Und wenn dann auch noch so tolle Inspirationen wie Sophia gibt fällt das auch echt nicht schwer. Ein Plätzchen beim ihrem nächsten Kochkurs in Zürich habe ich mir fest reserviert!

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Liebe Sophia,ich freu mich sehr dich meinen Lesern vorzustellen. Erzähl mal, was bedeutet Gesundheit für dich?

Gesundheit ist die Basis für Wohlbefinden. Körperliches und geistiges, das hängt in meinen Augen sehr unmittelbar zusammen.

Das Wichtigste überhaupt. Erst wenn es uns oder anderen schlecht geht, merken wir wie wichtig die Gesundheit ist – dessen sollten wir uns jeden Tag bewusst sein und auch darauf achten.

Wer oder was inspiriert dich?

Ganz viel: Die Natur, ein Regenschauer, Berge, Meer, das Gezwitscher der Spatzen morgens vor meinem Fenster. Konstruktive Gespräche mit schlauen Menschen. Gefühle. Kunst. Sprache. Poesie.Leute, die Großartiges vollbringen, Visionen in die Tat umsetzen. Kleinigkeiten. Wenn mich ein wunderschönes Gemüse zu einem neuen Rezept inspiriert. ALLES.


 

Du bist beruflich breit aufgestellt, kochst, bloggst, hast unzählige Veranstaltungen und bist Buchautorin. Wie bekommst du das alles unter einen Hut und wie sieht ein typischer Tag bei dir aus?

Ohne To-Do-Listen und eine ordentliche Portion Selbstdisziplin würde das nicht funktionieren. Auch regelmäßiger Sport ist wichtig für den Energielevel. Soviel ist sicher – einen typischen Tag gibt es nicht.

„Es gibt Bürotage, Küchentage, Dinnertage, Einkaufs- und Recherchetage, Reisetage, Pressetage und manchmal auch Entspanntage.“
Bei mir vermischt sich Berufliches und Privates oft und ich habe viele 7-Tage-Wochen, deshalb ist es wichtig auch mal den Computer einen Tag auszulassen oder statt selbst zu kochen Essen zu gehen…

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Praktizierst du auch Yoga?

Ja. Schon seit fast 10 Jahren, wobei ich es die ersten Jahre sehr sporadisch betrieben habe. Es hilft mir ungemein runter- und ins Gleichgewicht zu kommen und ich konnte mich schon immer ganz gut verbiegen. Wenn ich es mal eine Woche nicht schaffe zu praktizieren, werde ich nervös, 2-3 Mal die Woche sind ideal und hie und da ein paar Sonnengrüße am Morgen.


Wie bist du zur veganen Ernährung gekommen? Warum ist sie für dich die beste und gesündeste Ernährungsform?

Das ging bei mir peu á peu. Erst immer weniger Fleisch, dann war ich Vegetarier, irgendwann habe ich mich immer stärker mit der Thematik auseinandergesetzt und auch „unangenehme“ Bücher und Filme gekuckt und mich entschlossen nicht mehr wegzuschauen. Final traf ich die Entscheidung einfach in keiner Form mehr Lebewesen konsumieren zu wollen und versuche mein Bestes.
„Für mich ist Veganismus die ideale Ernährungsform weil es mir gesundheitlich und geistig noch nie so gut ging in meinem ganzen Leben und auch meine Seele glücklicher und zufriedener ist.“
Ich lebe mehr Empathie und ich mag es!

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Welche Tipps kannst du jemanden geben, der sich für vegane Ernährung interessiert, den Umstieg aber (noch) nicht schafft, z.B. auf Grund eines stressigen Alltags?

Die Umstellung ist echt nicht so schwer, es ist wie wenn man zu rauchen aufhören will: Man muss wissen warum man es wirklich will und es deshalb tun.
Mein Gegenargument bei Alltagstress lautet: Das feierabendliche Kochen nicht als Belastung sondern als Entspannung zu sehen und sich nicht selbst so unter Druck setzen. Dem Einen mag es leichter fallen anfangs nur einzelne Produkte wegzulassen oder immer noch mal Ausnahmen zu machen, der Andere sagt „ganz oder gar nicht“ – hör in dich hinein…
„Vegan leben sollte kein Wettbewerb, kein Dogma sein, man sollte einfach schauen was man wie wo wann in welchem Rahmen hin bekommt.“
In meinem Kochbuch „Sophias vegane Welt“ gibt es viele Tipps das Kochen abwechslungsreicher zu gestalten mit Gewürzzutaten usw. es müssen echt nicht immer ungesunde Ersatzprodukte sein.
Ein bisschen umdenken und weglassen lautet die Devise.
Sich einfach angewöhnen unterwegs ein paar Nüsse oder eine Banane dabei zu haben, kann auch nicht schaden.
Oder wie Mark Benecke mal gesagt hat: „Wenn man unterwegs ist und es gibt grade nichts – einfach mal nix essen. Funktioniert auch und stirbt man auch nicht gleich von…“.
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Was ließe sich deiner Meinung nach in unserem Gesundheitswesen und unserer Einstellung zum Thema Gesundheit verbessern?

Ich bin der Meinung, dass die Politik das Thema Ernährung im Bezug auf die Bevölkerungsgesundheit im Allgemeinen immer noch stiefkindlich behandelt. Wenn man sich anschaut wie in diesem Land der Vorschlag eines Veggie-Days mit bescheuerten Stammtisch-„Ich lass mir meine Wurst nicht vom Brot nehmen“ -Parolen niedergeschmettert wurde und der gesundheitspolitische Hintergrund komplett unter den Tisch gekehrt, kann man sich nur wünschen, dass nicht erst noch Schlimmeres geschehen muss, bevor endlich gehandelt wird. Antibiotika-Resistenz und Umweltverschmutzung sowie Gesundheitsgefährdung durch industrielle Tierzucht betreffen uns alle, davor die Augen zu verschließen und sich weiterhin über Veganer lustig zu machen, ist dumm, ignorant, realitätsfremd und unverantwortlich.
Der Ernährungswissenschaftler David Katz sagte vor kurzem in einem Interview: „Wir sprechen über Gesundheit, als wäre sie eine Tugend. Aber Sie sollen nicht gesund essen, weil Ihr Arzt es Ihnen sagt und Sie ein braver Bürger sind! Der Grund sollte sein, dass Sie nicht krank werden wollen, weil es sich beschissen anfühlt. Eine chronische Krankheit bedeutet, dass es einem schlecht geht! Das scheinen die Leute manchmal zu vergessen.“
Diese Grundeinstellung muss den Menschen vermittelt werden.Dasselbe gilt für Sport und Bewegung.  Tu es für dich. Weil es dir dann besser geht. Investiere in deine Gesundheit und dein Wohlbefinden. Gib mehr für gute Ernährung und Gesundheit aus als für ein neues Auto oder einen All-Inklusive-Urlaub. Du wirst am Ende des Tages glücklicher sein.
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Vielen lieben Dank für das Interview, Sophia!